Klare Worte bei Feuerwehr-JHV: Kritik am Umgang bei Lehrgängen sorgt für starken Applaus
Berichte über einen herablassenden Umgang mit jungen Feuerwehrangehörigen beschäftigten die gemeinsame Jahreshauptversammlung der Feuerwehren der Stadt Romrod. Kreisbrandinspektor Marcell Büttner kündigte an gegenzusteuern. Gleichzeitig blickten die Feuerwehren auf 50 Einsätze zurück und stellten mit einer neuen Führung der Stadtjugendfeuerwehr wichtige Weichen für die Zukunft.
Romrod. Feuerwehr bedeutet nicht nur Einsätze, Blaulicht und Technik. Feuerwehr bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen, Probleme offen anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Genau das wurde bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Feuerwehren der Stadt Romrod deutlich, die am Samstag, 5. September 2026, im Anschluss an den Stadtfeuerwehrtag im Bürgerhaus Romrod stattfand.
Stadtbrandinspektor Björn Müller führte durch die Versammlung und begrüßte die Angehörigen der Einsatzabteilungen, der Ehren und Altersabteilungen sowie der Kinder und Jugendfeuerwehren und zahlreiche Gäste aus Feuerwehr, Politik und Verwaltung.
Zu Beginn gedachten die Anwesenden der seit der vergangenen Jahreshauptversammlung verstorbenen Feuerwehrangehörigen. Stellvertretend erinnerte Müller an Klaus Wingefeld, der am 2. Mai 2026 nach schwerer Krankheit verstorben war. Wingefeld war rund 44 Jahre in der Einsatzabteilung aktiv und hatte sich unter anderem auch bei Katastrophenschutzeinsätzen engagiert.
15 intensive Monate für die Feuerwehren der Stadt Romrod
Den gemeinsamen Jahresbericht des Stadtbrandinspektorenteams stellte der 2. stellvertretende Stadtbrandinspektor Volker Schwenzfeier vor. Der Berichtszeitraum reichte vom 1. Juni 2025 bis zum 5. September 2026 und umfasste damit die ersten 15 Monate des neu gewählten Führungsteams.
Stadtbrandinspektor Björn Müller sowie seine Stellvertreter Steffen Brassel und Volker Schwenzfeier werden bei ihrer Aufgabenverteilung von Kevin Weiß unterstützt. Die vielfältigen Aufgaben wurden damit auf mehrere Schultern verteilt. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit zwischen den fünf Stadtteilen weiter in den Mittelpunkt gerückt.
Bevor es um Zahlen, Einsätze und Projekte ging, richtete Schwenzfeier den Blick auf diejenigen, ohne deren Unterstützung Feuerwehr kaum möglich wäre: die Familien der Feuerwehrangehörigen. Partnerinnen und Partner, Kinder und Familien müssten immer wieder zurückstecken, wenn ein Einsatz dazwischenkomme, Übungen stattfinden oder Lehrgänge zusätzliche Abende und Wochenenden beanspruchen. Dieser Rückhalt im Hintergrund sei ein wesentlicher Bestandteil der Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren.
Zu den großen Arbeitsschwerpunkten gehörten die Fortschreibung des Bedarfs und Entwicklungsplans, die Überarbeitung der Alarmierungspläne, der Digitalfunk, die Datenpflege in FLORIX und die weitere Zusammenarbeit der Stadtteile.
Auch die Ausstattung wurde weiter verbessert. Mit Unterstützung des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Romrod konnte zusätzliche Ausrüstung für die technische Hilfeleistung beschafft werden. Damit stehen insbesondere bei schweren Verkehrsunfällen zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung.
Feuerwehr besteht aus Menschen
Zum 1. September 2026 waren in den fünf Einsatzabteilungen 134 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner als Hauptmitglieder aktiv. Weitere neun unterstützen die Feuerwehren über eine Zweitmitgliedschaft. Gegenüber dem Beginn des Berichtszeitraums konnte damit ein Zuwachs verzeichnet werden.
Die positive Entwicklung dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die personelle Situation in den einzelnen Stadtteilen unterschiedlich sei. Besonders die Verfügbarkeit von Feuerwehrangehörigen während des Tages bleibt eine große Herausforderung.
In den Jugendfeuerwehren engagieren sich derzeit 23 Jugendliche, zehn Kinder gehören der Kindergruppe an und 67 Kameradinnen und Kameraden den Ehren und Altersabteilungen.
Dabei wurde im Verlauf des Abends immer wieder deutlich: Feuerwehr besteht aus ganz unterschiedlichen Menschen. Nicht jeder muss denselben Weg gegangen sein oder dieselben Fähigkeiten mitbringen. Ob Quereinsteiger, langjähriger Feuerwehrangehöriger, Jugendbetreuer, Gerätewart, Fachbereichsleiter oder Unterstützer im Hintergrund – Feuerwehr funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, ihre Stärken einzubringen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Nachwuchsarbeit braucht Menschen, die sie tragen
Einen besonderen Stellenwert nahm die Kinder und Jugendarbeit ein.
Markus Schwegler, der die Aufgaben des Stadtjugendfeuerwehrwartes bisher kommissarisch als Beauftragter wahrgenommen hatte, gab einen Überblick über die Arbeit der Jugendfeuerwehren.
Janina Kister berichtete als Leiterin der Bambini Feuerwehr über die Arbeit mit den jüngsten Feuerwehrmitgliedern. Sie zeigte auf, wie vielfältig die regelmäßigen Treffen gestaltet werden und wie Kinder spielerisch an Feuerwehr, Gemeinschaft und Verantwortung herangeführt werden. Besonders dankte sie dem Wehrführer von Nieder-Breidenbach, ihrem Vater, für dessen Unterstützung.
Der Bericht fand in der Versammlung große Anerkennung. Auch Kreisbrandinspektor Marcell Büttner griff die Arbeit der Kinder und Jugendfeuerwehr später ausdrücklich in seinem Grußwort auf. Die Reaktion der Versammlung habe gezeigt, welchen Stellenwert diese Arbeit habe und wie wichtig die notwendige Anerkennung für diejenigen sei, die sie leisten.
Janina Kister einstimmig zur Stadtjugendfeuerwehrwartin gewählt
Passend dazu wurden im weiteren Verlauf wichtige Ämter für die Nachwuchsarbeit neu besetzt.
Janina Kister wurde einstimmig zur neuen Stadtjugendfeuerwehrwartin gewählt. Bei den Feuerwehren der Stadt Romrod zeigte man sich froh darüber, dieses wichtige Amt wieder regulär und mit einer engagierten Feuerwehrfrau besetzen zu können, die bereits Erfahrung in der Nachwuchsarbeit mitbringt.
Für das Amt des stellvertretenden Stadtjugendfeuerwehrwartes kandidierten Johannes Wiegand und Tristan Siebert. Siebert setzte sich mehrheitlich durch und wurde zum neuen stellvertretenden Stadtjugendfeuerwehrwart gewählt.
Damit ist die Führung der Stadtjugendfeuerwehr für die kommenden Aufgaben neu aufgestellt.
Deutliche Kritik am Umgang bei Lehrgängen und Prüfungen
Für besonders deutliche Reaktionen in der Versammlung sorgte ein kritischer Teil des Jahresberichts.
Im Berichtszeitraum wurden 19 Lehrgänge und Seminare erfolgreich abgeschlossen. Dahinter stehen zahlreiche Abende, Wochenenden, Vorbereitungsstunden und Prüfungen, die Feuerwehrangehörige zusätzlich zu Beruf, Familie und dem regulären Feuerwehrdienst auf sich nehmen.
Gerade deshalb sprach Volker Schwenzfeier Berichte junger Feuerwehrangehöriger an, die im Zusammenhang mit Lehrgängen und Prüfungen einen herablassenden Umgang erlebt hätten und teilweise vor Prüfungen zusätzlich demotiviert worden seien.
Schwenzfeier machte deutlich, dass Kritik und Leistungsanforderungen selbstverständlich Bestandteil einer guten Ausbildung seien. Menschen, die sich freiwillig weiterbilden und dafür ihre Freizeit investieren, hätten aber Anspruch auf einen respektvollen, sachlichen und fairen Umgang.
Die deutliche Zustimmung und der langanhaltende Applaus aus der Versammlung zeigten, dass dieses Thema viele Feuerwehrangehörige beschäftigt.
Kreisbrandinspektor Marcell Büttner griff die Kritik später in seinem Grußwort ausdrücklich auf. Die Reaktion der Versammlung habe deutlich gemacht, dass das Thema tief sitze. Die geschilderten Vorgänge seien ihm bekannt und es habe bereits Gespräche gegeben. Büttner machte klar, dass ein solcher Umgang auch nicht seinem Verständnis von Feuerwehr und Ausbildung entspreche und kündigte an, entsprechend gegenzusteuern.
Damit zeigte die Versammlung auch: Probleme werden innerhalb der Feuerwehren nicht verschwiegen. Sie werden angesprochen, diskutiert und gemeinsam angegangen.
50 Einsätze und sechs Menschen aus Notlagen gerettet
Die Einsatzstatistik zeigte zugleich, wofür Ausbildung, Ausrüstung und eine funktionierende Zusammenarbeit notwendig sind.
Seit dem 1. Juni 2025 wurden die Feuerwehren der Stadt Romrod zu 50 Einsätzen alarmiert. Dabei konnten sechs Menschen gerettet oder aus einer Notlage befreit werden.
Besonders in Erinnerung blieb der schwere Verkehrsunfall am 8. April 2026 auf der B49. Mehrere Fahrzeuge waren beteiligt, eines davon stand in Vollbrand. In einem weiteren Fahrzeug waren drei Menschen eingeschlossen, darunter ein Kind. Die Feuerwehr musste gleichzeitig den Fahrzeugbrand bekämpfen und die eingeschlossenen Personen retten. Mehrere Rettungswagen und zwei Rettungshubschrauber waren ebenfalls im Einsatz. Die Arbeiten dauerten rund vier Stunden.
Eine weitere außergewöhnliche Belastung waren die beiden Waldbrände am 1. Mai 2026 zwischen Romrod und Alsfeld. Bereits am Nachmittag waren rund 60 Feuerwehrangehörige im Einsatz. Nur wenige Stunden später erfolgte erneut die Alarmierung zu einem Brand nahezu an derselben Stelle. Beim zweiten Einsatz waren schließlich deutlich über 100 Kräfte aus mehreren Städten und Gemeinden beteiligt. Die Arbeiten dauerten bis in die Morgenstunden.
Auch die trockene Witterung im August führte zu mehreren Vegetationsbränden. Dabei wurde erneut deutlich, wie entscheidend eine ausreichende Löschwasserversorgung ist. Beim Brand im Stadtteil Zell unterstützten zwei örtliche Landwirte die Feuerwehr mit insgesamt rund 50.000 Litern Wasser.
Neben dem Einsatzdienst spielt auch die Prävention eine wichtige Rolle. Im Berichtszeitraum wurden bei der Brandschutzerziehung 85 Menschen erreicht, an Maßnahmen der Brandschutzaufklärung nahmen rund 380 Menschen teil.
Viel Feuerwehrarbeit findet im Hintergrund statt
Wie vielfältig Feuerwehrarbeit abseits von Einsatzstellen und Blaulicht ist, zeigten auch die Berichte aus den einzelnen Fachbereichen.
Franziska Steuernagel gab als Fachbereichsleiterin Beschaffung einen Überblick über getätigte Beschaffungen und die damit verbundenen Aufgaben.
Volker Schwenzfeier berichtete aus den Bereichen Digitalfunk sowie Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Neben der Vielzahl erarbeiteter und versandter Presseinformationen wurde auch hier ein seit Jahren bestehendes Problem offen angesprochen: Die Netzabdeckung des Digitalfunks im Bereich Romrod ist weiterhin nicht zufriedenstellend. Gleichzeitig stehen erneut notwendige Updates der Funkgeräte an, die zeitnah umgesetzt werden müssen.
Auch die weiteren Fachbereiche zeigten, wie viele Aufgaben notwendig sind, damit Feuerwehr im entscheidenden Moment funktioniert. Ein großer Teil dieser Arbeit findet für die Öffentlichkeit kaum sichtbar im Hintergrund statt.
Bürgermeister dankt für Verlässlichkeit und Engagement
Bürgermeister Hauke Schmehl dankte den Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern für ihren Einsatz und ihre Bereitschaft, Verantwortung für Romrod zu übernehmen.
Er hob die besondere gesellschaftliche Bedeutung der Feuerwehren hervor und machte deutlich, wie wichtig es sei, sich auf die Feuerwehr verlassen zu können, wenn Hilfe benötigt werde. Gleichzeitig dankte er für das große Engagement rund um den zuvor durchgeführten Stadtfeuerwehrtag.
Weitere Grußworte richteten unter anderem der Erste Kreisbeigeordnete, der Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbandes Vogelsberg sowie der Landtagsabgeordnete Maximilian Ziegler an die Versammlung.
Langjähriges Engagement ausgezeichnet
Auch zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen standen auf der Tagesordnung. Feuerwehrangehörige erhielten Anerkennungsprämien des Landes Hessen für langjährigen aktiven und pflichttreuen Dienst.
Ein besonders bewegender Moment war die Ehrung von Reinhold Weitzel für 50 Jahre aktiven Feuerwehrdienst. Die Würdigung seines jahrzehntelangen Engagements wurde von langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen begleitet.
Darüber hinaus erhielt die Hamel GmbH aus Zell die Plakette „Förderer der Feuerwehr“ des Kreisfeuerwehrverbandes Vogelsberg.
Stefan Bing wurde mit der Florian Medaille der Hessischen Jugendfeuerwehr in Silber ausgezeichnet. Tim Decher erhielt das bronzene Brandschutzverdienstzeichen und Björn Preuß-von Brincken das Deutsche Feuerwehr Ehrenkreuz in Silber.
Probleme ansprechen und trotzdem gemeinsam nach vorne schauen
Nach einem langen Tag mit Stadtfeuerwehrtag, Jahresberichten, Wahlen, offenen Worten und zahlreichen Ehrungen endete die gemeinsame Jahreshauptversammlung in guter Atmosphäre. Zum Abschluss kamen Feuerwehrangehörige und Gäste zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen.
Die Versammlung zeigte sehr deutlich, was Feuerwehr in Romrod bedeutet: Menschen übernehmen Verantwortung füreinander und für ihre Stadt. Sie investieren Freizeit, bilden sich weiter, kümmern sich um Kinder und Jugendliche, halten Fahrzeuge und Technik einsatzbereit, organisieren, planen und stehen im Ernstfall gemeinsam an der Einsatzstelle.
Dabei ist nicht alles perfekt. Nachwuchsgewinnung, Tagesalarmverfügbarkeit, Digitalfunk und auch der Umgang miteinander in der Ausbildung sind Themen, die weitere Arbeit erfordern.
Die Feuerwehren der Stadt Romrod wollen diese Probleme aber nicht verschweigen, sondern offen ansprechen und gemeinsam Lösungen finden.
Denn Feuerwehr lebt nicht davon, dass alle gleich sind. Sie lebt davon, dass Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Erfahrungen und Lebenswegen ihren Platz in einer starken Gemeinschaft finden und bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Genau das macht Feuerwehr in Romrod aus.
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